Das Coronavirus durchkreuzt Meisterpläne und geplante Abschiede

18. März 2020

aus Südostschweiz, 17.03.2020 – geschrieben von Stefan Salzmann

Piranha Chur war auf bestem Weg sich den Meistertitel zurückzuholen. Bis das Coronavirus ihr Veto einlegte. Zeit vorauszuschauen: Auf Lara Heini muss das Team mindestens eine weitere Saison warten. Halten Seraina Ulber und Katrin Zwinggi an ihren Rücktritten fest?

Der Schock sitzt tief bei den Spielerinnen von Piranha Chur. Nach dem gewonnenen Endspiel vom 22. Februar im Cupfinal in Bern hätte der zweite Grosserfolg am 18. April in Kloten folgen sollen. Hätte – das Coronavirus durchkreuzte die Pläne und brachte die Saison Ende vergangener Woche zum Abbruch.

Stefan Caprez, Präsident von Piranha Chur, spricht von einer «bodenlosen Enttäuschung» bei den Spielerinnen. «Das Team war sehr gut in Form. Es wäre bereit gewesen für das Double», glaubt er. Besonders bitter ist das abrupte Saisonende für Seraina Ulber und Katrin Zwinggi. Die beiden langjährigen Nationalspielerinnen hatten vor, nach dieser Spielzeit vom Spitzensport zurückzutreten. Nun sind sie am Grübeln, ob sie auf diese Art und Weise aufhören wollen.

«Es ist eine schwierige Situation für die beiden. Sie wissen momentan nicht, wo ihnen der Kopf steht», sagt Caprez. Möglicherweise hat das abrupte Ende dazu geführt, dass Ulber und Zwinggi ihren Rücktritt nochmals überdenken werden. Druck für eine schnelle Entscheidung setzen die Piranha-Verantwortlichen keinen auf: «Wir lassen ihnen die Zeit, die sie brauchen», sagt der Präsident.

Sechs bis acht Abgänge erwartet
Schaut Caprez auf die vergangene Spielzeit zurück, ist er sehr zufrieden mit den Leistungen der 1. Mannschaft und der U21. «Wir sind auf dem richtigen Weg – auch was den Verjüngungsprozess angeht.» Auf nächste Saison werden die Churerinnen diesen altersbedingten Umbruch im Fanionteam noch mehr forcieren und so auch den Atem der Berner Teams noch etwas fester im Nacken spüren.

Denn die Verfolger haben aufgeholt. Das sieht auch Caprez so. Er betont jedoch, dass die Problematik einer Zweiklassengesellschaft in der Nationalliga A der Frauen geblieben sei. «Aber die Anzahl an starken Teams ist grösser geworden», so der Präsident.

Dass auch Piranha Chur in den nächsten Jahren bei weiteren Rücktritten von Nationalspielerinnen nur noch zur erweiterten Spitze gehören könnte, schliesst Caprez nicht ganz aus: «In Chur sind wir geografisch weg vom Fenster. Wir haben nicht ein solches Einzugsgebiet wie die Berner und Zürcher Teams.» Die Bündnerinnen sind deshalb darauf angewiesen, dass sie ihre erfolgreiche Nachwuchsarbeit fortführen. Und dass diese funktioniert, zeigt ein Blick auf die Tabelle. Vor dem Abbruch der Saison durfte sich die U21 als Qualifikationssieger feiern lassen und führte auch in der Halbfinal-Serie gegen Skorpion Emmental Zollbrück mit 1:0.

Auch wenn die Personalplanung noch nicht abgeschlossen ist und «einiges noch in der Schwebe ist», geht der Präsident von sechs bis acht Abgängen aus. Neben den möglichen Rücktritten von Ulber und Zwinggi verlassen Luana und Chiara Rensch das Team definitiv. Hinzu kommt der Abgang von Mari Anerud, die mit dem in Chur engagiert gewesenen Denis Blomberg das Bündnerland verlassen dürfte. So gut wie fix sei auch der Abgang der Norwegerin Karen Farnes. Aufgrund eines Kreuzbandrisses hatte sie die gesamte Saison verpasst.

Lara Heini bleibt in Schweden
Bezüglich Zugängen kann Caprez noch keinen Vollzug vermelden. Neben Katarina Klapitova möchte sich Piranha Chur mit einer oder zwei ausländischen Spielerinnen verstärken. So wäre das auf nächste Saison in Kraft tretende Gentleman‘ s Agreement – das höchstens drei Ausländerinnen auf dem Matchblatt vorsieht – eingehalten. «Wir führen Gespräche mit Spielerinnen», sagt der Präsident. Ein Neuzugang müsse sich mit dem Team identifizieren und gut hineinpassen. Fix sei bis jetzt aber noch nichts.

Auch auf Lara Heini müssen sich die Piranha-Fans mindestens ein weiteres Jahr gedulden. «Sie hat sich entschieden, eine weitere Meisterschaft in Schweden zu spielen», sagt Caprez, der regelmässig mit ihr in E-Mail-Kontakt steht. So ist jetzt schon klar, dass Piranha mit den Torhüterinnen Jill Münger und Livia Angehrn in die neue Saison starten wird.

Dass bei einer Rückkehr von Heini in die Schweiz nicht automatisch mit einem Wechsel zu Piranha zu rechnen sei, betont Caprez ausdrücklich: «Unihockeyspielerinnen sind keine Profis. Die neue Arbeitsstelle und der Wohnort werden ausschlaggebend für ihre Wahl sein. Einen Platz wird sie bei uns jedoch immer haben.»

Anfang Jahr sind noch viele Fragen offen. Und auch wenn es noch viel zu früh ist, um auf die neue Saison vorauszuschauen, hat Piranha den Anspruch, an der Spitze mitzuspielen. Egal, ob mit oder ohne Ulber und Zwinggi. Egal, ob mit oder ohne zweite und dritte Ausländerin. Aber sicher mit dem gleichen Trainerstaff, der für nächste Saison wieder zugesagt hat.