Seraina Ulber’s Weg an die Heim-WM

30. Oktober 2019

In der Rubrik „piranhas im Fokus“ werden in unregelmässigen Abständen Interviews und Berichte über Akteurinnen und Akteure aus dem Verein und Umfeld von piranha chur aufgeschaltet.


piranha-Captain Seraina Ulber hat sich im ersten Ernstkampf der Saison, im Supercup in Zürich, am Fuss verletzt. Kurz darauf hat sich die Nationalspielerin in Basel die Innen- sowie Aussenbänder operieren lassen. Nicht nur für piranha, sondern auch im Hinblick auf die Heim Weltmeisterschaft sind dies schlechte Neuigkeiten. Falls die Reha gut verläuft, ist eine Teilnahme für die technisch versierte und polyvalent einsetzbare Stürmerin aber realistisch. Es wäre Ulbers erste Heim Weltmeisterschaft.

Seraina, was ging dir durch den Kopf, als du im Supercup im letzten Drittel schmerzerfüllt zu Boden gingst?

Ich kann mich daran erinnern, dass mir die Heim WM sofort durch den Kopf ging, ich war jedoch auch guten Mutes, dass die Verletzung nicht gravierend ist. Nach dem Spiel war ich vor allem in Sorge um die Länderspiele, welche eine Woche später anstanden. Ich habe gehofft, dass ich in einigen Tagen wieder fit sein werde und so das 100. Länderspiel wie geplant werde spielen können, musste mir aufgrund der doch ziemlich starken Schmerzen aber schon bald eingestehen, dass die Verletzung wohl nicht eine Sache von einer Woche sein wird.

Was hast du in der Zeit seither erlebt?

Die Zeit seit der Operation am 10. September geht gefühlt noch schneller vorbei als sie es sonst schon tut. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich bald wieder einsatzbereit bin, vermisse das Team aber jeden Tag sehr. Ich absolviere ein sehr hartes und effizientes Personal Training, der Team-Aspekt fehlt mir aber stark. Ich habe grösstes Vertrauen in die Fähigkeiten unseres Teams und Staffs bei piranha chur, und das gibt mir ein gutes Gefühl, weil es in der Mannschaft gut läuft und wir bisher jedes Spiel gewonnen haben. Würde es nicht so gut laufen, gäbe mir dies wohl ein schlechtes Gefühl und ich würde mir denken, dass ich das Team auf eine gewisse Weise im Stich lasse, da ich momentan ja nicht wirklich helfen kann.

Wir kennen dich als sehr emotionale Spielerin. Was hat diese Verletzung in dir ausgelöst?

Als der Fussspezialist mir am 9. September mitgeteilt hat, dass eine Operation notwendig ist, ist bei mir eine kleine Welt zusammengebrochen. Erstens, weil ich dachte, dass ich die Heim WM verpassen werde und zweitens, weil ich Angst habe vor Operationen. Seitdem ich weiss, dass trotz OP die Chance besteht, an der WM bereit und fit zu sein, spüre ich eine grosse Zuversicht in mir und ich kann es kaum erwarten, wieder auf dem Feld zu stehen. Was mir unglaublich viel Mut und Halt gegeben hat, sind die unzähligen wohlwollenden und lieben Wünsche und Worte von meiner Familie, meinen Freunden und vom Bekanntenkreis. Das war überwältigend.

Wie ist dein Fahrplan im Hinblick auf die Heim Weltmeisterschaften in Neuenburg?

Ich bin gut auf Kurs, die Operation verlief sehr gut und der Heilungsprozess verläuft aktuell wie gewünscht. Ich mache jeden Tag Fortschritte und bin auch gemäss Physiotherapeuten im Fahrplan und auf gutem Wege. Der Aufwand ist zwar sehr gross (3x in der Woche nach Winterthur reisen und dort je 1 Stunde Physio und 1 Stunde Training mit dem Personal Trainer, plus nochmals 3x in der Woche individuelles Training in Chur), aber ich bin überzeugt, dass es sich lohnt zu kämpfen.

Leider gibt es ja auch ein Szenario, dass die Heim WM ohne Seraina Ulber stattfinden könnte. Wie gehst du damit um?

Mir ist bewusst, dass das Risiko besteht, dass es für die WM nicht reicht. Aktuell möchte ich aber keinen negativen Gedanken verschwenden und mir ausmalen, wie es wäre, wenn ich nur zuschauen könnte. Ich bin überzeugt davon, dass mich ausschliesslich positive Energie weiter bringt. Was wäre, wenn ich es nicht schaffen werde, das werde ich sehen, falls das Szenario eintrifft. Für mich würde so oder so ein grosser Traum platzen, egal ob ich mich jetzt mit diesem Gedanken auseinandersetze oder nicht.

Hat deine Verletzung einen Einfluss auf deinen im Sommer kommunizierten Rücktritt nach dieser Saison?

Nein, grundsätzlich hat sie dies nicht. Wenn ich Ende November, Anfang Dezember wieder spielen kann und danach die Saison gesund fertigspielen kann, ändert sich nichts. Wenn jetzt alles schief laufen würde mit dem Fuss und ich aufgrund dessen erst im Januar oder Februar 2020 wieder spielen könnte, dann würde ich den Entscheid allenfalls nochmals überdenken.

Zum Schluss, was sind deine Ziele mit dem Schweizer Team in Neuenburg?

Wir möchten umsetzen, was wir in unzähligen Trainingseinheiten gelernt haben und die bestimmt einmalige Atmosphäre geniessen. Wir wollen unser bestes Unihockey abrufen, eine verschworene Einheit sein und mit den Schweizer Fans im Rücken in den WM-Final einziehen.

Besten Dank für das Interview Seraina. Die ganze piranha-Family wünscht dir weiterhin eine gute Genesung und drückt die Daumen, dass es mit der Teilnahme an der Heim Weltmeisterschaft in Neuenburg klappt. Wir freuen uns, dich bald wieder auf dem Feld zu sehen!